Nordic Diet

Nordic Diet

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Fokus der Nordic Diet liegt auf dem Verzehr von Obst und Gemüse, insbesondere von Beeren und Kohlgemüse, sowie Getreideprodukten wie Hafer, Gerste und Roggen. Bei den tierischen Lebensmitteln stehen vor allem Fisch und Meeresfrüchte sowie Fleisch von Wild- und Weidetieren im Vordergrund. Als wichtigste Fettquelle gilt Rapsöl.
  • Die Ernährungsempfehlungen der nordischen Länder stimmen weitgehend mit den Prinzipien der Nordic Diet überein. Empfohlen wird eine überwiegend pflanzenbasierte Ernährung, ergänzt durch tierische Lebensmittel mit besonderem Fokus auf den Fischverzehr.
  • Die Nordic Diet lässt sich gut mit den Neatic-Grundsätzen vereinbaren und trägt zudem zu einer nachhaltigeren Ernährungsweise bei.

Was ist die Nordic Diet?

Die Nordic Diet (dt. nordische Ernährung) wird häufig auch als Healthy Nordic Diet, New Nordic Diet oder Baltic Sea Diet bezeichnet. Sie basiert auf den traditionellen Ernährungsgewohnheiten und den regional erzeugten Lebensmitteln der nordischen Länder Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden. Im Mittelpunkt stehen Obst und Gemüse, insbesondere Beeren und Kohlsorten, gefolgt von Getreideprodukten mit dem Fokus auf Hafer, Gerste und Roggen. Tierische Lebensmittel umfassen vor allem Fisch und Meeresfrüchte sowie Wild- und Weidetiere. Die wichtigste Fettquelle ist Rapsöl.

Welchen Ursprung hat die Nordic Diet?

Die Nordic Diet geht auf die Erkenntnisse der Seven Countries Study zurück. Ziel dieser Studie war es, den Zusammenhang zwischen Ernährung und der koronaren Herzkrankheit (KHK) zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigten deutliche Unterschiede in der Sterblichkeit durch KHK zwischen den untersuchten Ländern. Besonders auffällig war, dass Finnland die höchste Rate an KHK sowie die höchste damit verbundene Sterblichkeit aufwies. In den Mittelmeerländern hingegen fiel die Sterblichkeit deutlich geringer aus. Ein Unterschied zwischen den Ländern war die Zusammensetzung der Nahrungsfette.

Auf Basis dieser Erkenntnisse wurde 1972 das North Karelia Project ins Leben gerufen. Ziel war es, die Bevölkerung in der Region Nordkarelien in Ostfinnland zu einer gesundheitsfördernden Lebens- und Ernährungsweise zu bewegen, wobei die Erkenntnisse der Seven Countries Study berücksichtigt wurden. Dadurch konnte über einen Zeitraum von mehr als 40 Jahren die Sterblichkeit durch KHK um 84% gesenkt werden.

Welche Lebensmittel sind in der Nordic Diet enthalten?

Die Nordic Diet wurde erstmals 2009 durch Elling Bere und Johannes Brug definiert. Ziel war es, eine gesundheitsfördernde und regionale Ernährungsweise für die nordischen Länder zu entwickeln, ähnlich der mediterranen Ernährung in den Mittelmeerländern. Dabei wurden zunächst vier Kriterien festgelegt:

  1. Die Lebensmittel sollen regional in den nordischen Ländern großflächig produzierbar sein.
  2. Es sollen traditionelle bzw. typische Lebensmittel aus den nordischen Ländern sein.
  3. Die Lebensmittel sollen ein höheres gesundheitsförderliches Potenzial als vergleichbare Alternativen aufweisen.
  4. Die Produkte müssen als Lebensmittel verzehrt werden können (z. B. keine Gewürze).

Nach der Definition von Elling Bere und Johannes Brug umfasst die Nordic Diet die in der folgenden Abbildung dargestellten Lebensmittel, die sich durch zahlreiche gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe auszeichnen:

Lebensmittel der Nordic Diet

Welche Ernährungsempfehlungen gelten in den nordischen Ländern?

In den nordischen Ländern gibt es, ähnlich wie in Deutschland mit den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE), offizielle Ernährungsempfehlungen. Diese umfassen sowohl Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr als auch lebensmittelbasierte Empfehlungen (Food-Based Dietary Guidelines, FBDG) und werden Nordic Nutrition Recommendations 2023, kurz NNR2023 genannt.

Die NNR entstehen im Rahmen einer seit über 40 Jahren bestehenden Zusammenarbeit der Gesundheits- und Lebensmittelbehörden aus Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden und werden vom Nordic Council of Ministers beauftragt. Die NNR2023 stellen die sechste Auflage dieser Empfehlungen dar und dienen als wichtige Grundlage für nationale Ernährungsempfehlungen. Neben den nordischen Ländern haben sie auch die Entwicklung der Ernährungspolitik in den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen beeinflusst.

Insgesamt empfehlen die NNR2023 eine überwiegend pflanzenbasierte Ernährung. Diese sollte reich an Gemüse, Obst und Beeren, Hülsenfrüchten, Kartoffeln und Vollkornprodukten sein. Ergänzt wird die Ernährung durch einen regelmäßigen Fischverzehr, durch Nüsse sowie einen moderaten Verzehr fettarmer Milchprodukte. Der Konsum von rotem und weißem Fleisch, verarbeiteten Fleischprodukten, Alkohol sowie stark verarbeiteten Lebensmitteln mit hohem Gehalt an zugesetzten Fetten, Salz und Zucker sollte hingegen eingeschränkt werden.

Zu einem großen Teil stimmen die Empfehlungen der nordischen Länder mit den Prinzipien der Nordic Diet überein. In beiden Fällen wird eine überwiegend pflanzenbasierte Ernährung empfohlen, ergänzt durch tierische Produkte mit besonderem Fokus auf den Verzehr von Fisch. Während in der Nordic Diet Rapsöl als Fettquelle im Vordergrund steht, empfehlen die NNR2023 hingegen allgemein, pflanzliche Öle mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren gegenüber tierischen Fetten zu bevorzugen, ohne dabei ausdrücklich auf Rapsöl einzugehen. Auch bei Getreide unterscheiden sich die Empfehlungen geringfügig. Während die Nordic Diet vor allem Hafer, Gerste und Roggen hervorhebt, empfehlen die NNR2023 allgemein den überwiegenden Verzehr von Vollkornprodukten. Beeren werden sowohl in der Nordic Diet als auch in den NNR2023 empfohlen. Insgesamt wird in den NNR2023 eine tägliche Aufnahme von 500 bis 800 g Gemüse, Obst und Beeren empfohlen. Wichtige Lebensmittelgruppen wie Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen, die in den NNR2023 ausdrücklich als gesundheitsfördernd empfohlen werden, werden in der Beschreibung der Nordic Diet nach Bere und Brug zwar nicht explizit erwähnt, finden sich jedoch in anderen Definitionen der nordischen Ernährung wieder.

Insgesamt zeigt sich eine große Übereinstimmung zwischen den Ernährungsempfehlungen der nordischen Länder und der Nordic Diet.

Worin unterscheiden sich die nordische Ernährung und die mediterrane Ernährung?

Charakteristisch für die mediterrane Ernährung ist eine überwiegend pflanzliche Basis mit einem geringen Anteil gesättigter Fettsäuren und der bevorzugten Verwendung von Olivenöl. Darüber hinaus umfasst sie auch kulturelle und soziale Aspekte wie gemeinsames Essen, Kochen, ausreichend Ruhe sowie regelmäßige körperliche Bewegung.

Der mediterranen Ernährung werden zahlreiche gesundheitsförderliche Effekte zugeschrieben. Auch die nordische Ernährung kann, sofern sie gesund, regional und saisonal umgesetzt wird, vergleichbare positive Effekte auf die Gesundheit haben. Die wichtigsten Unterschiede zwischen diesen beiden Ernährungsweisen sind in der folgenden Tabelle dargestellt:

Nordic Diet im Vergleich zur mediterranen Ernährung

Was sagt die Wissenschaft?

Es gibt zahlreiche Studien, die sich mit den gesundheitlichen Auswirkungen der Nordic Diet befassen. In einer Studie von Bakhshimoghaddam et al. (2025) kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass Menschen, die sich stärker an die Nordic Diet halten, ein geringeres Risiko haben, zu sterben oder chronische Erkrankungen, darunter Diabetes mellitus Typ 2 und kardiovaskuläre Erkrankungen, zu entwickeln. Es ist jedoch noch weitere Forschung nötig zur Vereinheitlichung der Definition der Nordic Diet sowie zur Überprüfung der Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die nicht-europäische Bevölkerung.

Auch eine Studie von Massara et al. (2022) zeigt, dass die Einhaltung nordischer Ernährungsgewohnheiten insgesamt zu einer geringfügigen, jedoch relevanten Reduktion des Risikos für kardiovaskuläre Erkrankungen und Diabetes mellitus Typ 2 führt. Zudem zeigte sich eine Senkung des Cholesterinspiegels, Körpergewichts, Body-Mass-Index und des Blutdrucks.

Was sagt Neatic?

Die Nordic Diet basiert auf einer überwiegend pflanzenbetonten Ernährung mit einem hohen Anteil wenig verarbeiteter Lebensmittel. Besonders die NNR2023 betonen, dass der Konsum von verarbeitetem Fleisch sowie stark verarbeiteten Lebensmitteln mit einem hohen Gehalt an Fett, Salz und Zucker reduziert werden sollte. Diese Empfehlungen stehen im Einklang mit den Grundsätzen von Neatic. Insbesondere der Neatic-Grundsatz 1 (Aroma-Grundsatz) ermöglicht es, mehr als die Hälfte aller ultraverarbeiteten Lebensmittel korrekt zu erkennen und ihren Konsum zu reduzieren.

Neatic berücksichtigt keine Nachhaltigkeitsaspekte der Ernährung, da der Fokus ausschließlich auf den gesundheitlichen Auswirkungen liegt und die drei Neatic-Grundsätze bewusst einfach gehalten sind. Der saisonale und regionale Ansatz der Nordic Diet stellt jedoch eine sinnvolle Ergänzung zu den Neatic-Grundsätzen dar.

Insgesamt lässt sich die Nordic Diet gut mit den Neatic-Grundsätzen vereinbaren und beschreibt eine Ernährungsweise, die sowohl gesundheitsförderlich ist als auch zu nachhaltigeren Ernährungsgewohnheiten beitragen kann.

Literaturverzeichnis

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The Seven Countries Study: What is the Seven Countries Study? Online verfügbar unter https://www.sevencountriesstudy.com/, zuletzt geprüft am 10.12.2025.

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