Das Wichtigste in Kürze:
- In einer wissenschaftlichen Studie des Neatic-Teams wurde in über 186.000 Menschen bestimmt, ob der Verzehr von hochverarbeiteten Lebensmitteln (ultra-processed foods, UPFs) mit dem Sterberisiko verbunden ist. Dabei wurden sowohl UPFs als auch ausschließlich in UPFs vorkommende, sogenannte Hochverarbeitungsmarker (markers of ultra-processing, MUPs) untersucht.
- Ein hoher Konsum von UPFs war mit einem vorzeitigen Versterben assoziiert. Zudem waren die MUP-Kategorien Aromen, Süßungsmittel, verschiedene Zuckerarten, Geschmacksverstärker und Farbstoffe mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden.
- Nur einige MUP-Kategorien sind mit einem vorzeitigen Versterben verbunden. Diese Studie unterstützt das Vorgehen in Neatic, Aromen und Süßungsmittel zu vermeiden und den Verzehr von freien Zuckern zu begrenzen.
Was wissen wir zum Thema hochverarbeitete Lebensmittel?
Alle Lebensmittel lassen sich nach dem Grad ihrer Verarbeitung in vier Gruppen einteilen. Diese Einteilung heißt NOVA-Klassifikation und wurde vom Team um Prof. Carlos Monteiro in Brasilien entwickelt. Hochverarbeitete Lebensmittel (ultra-processed foods, UPFs) werden nach NOVA der Gruppe 4 zugeordnet. UPFs sind verzehrfertige Produkte, die gewöhnlich reich an Fett, Salz und Zucker sind und gleichzeitig arm an Ballaststoffen, Proteinen und Mikronährstoffen. Lebensmittel der NOVA-Gruppe 4 haben eine weitere Gemeinsamkeit: Sie enthalten nicht-kulinarische Zutaten und kosmetische Zusatzstoffe, die zusammen als Hochverarbeitungsmarker (markers of ultra-processing, MUPs) bezeichnet werden. Mehr Informationen zu hochverarbeiteten Lebensmitteln findest Du hier.
Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Studien, darunter zwei Meta-Analysen von Lane et al. (2024) und Monteiro et al. (2025), die einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von UPFs und einer verkürzten Lebenserwartung sowie einem erhöhten Risiko für Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, psychischen Erkrankungen und Darmfunktionsstörungen zeigen.
Was untersucht die Studie?
In der neuen Studie des Neatic-Teams wurde erstmals der Zusammenhang zwischen spezifischen MUPs in Lebensmitteln und dem Sterberisiko untersucht. Spezifische MUPs wurden in der Studie folgenden MUP-Kategorien zugeordnet: Aromen, Süßungsmittel, verschiedene Zuckerarten, Geschmacksverstärker, Farbstoffe, funktionelle Zusatzstoffe, modifizierte Öle, industrielle Proteinquellen und zugesetzte Ballaststoffe.
Es wurden Daten von über 186.000 Teilnehmern aus einer großen britischen Studie (UK Biobank-Studie) untersucht. Zum Auswertungszeitpunkt waren mehr als 10.000 Teilnehmer verstorben.
Was hat die Studie herausgefunden?
Bezüglich des Verzehrs von UPFs liefert die Studie weitere Evidenz für einen signifikanten Zusammenhang mit dem Sterberisiko und steht damit im Einklang mit bisherigen Untersuchungen.
Neue Erkenntnisse liefern die Untersuchungen des Zusammenhangs von MUP-Kategorien und spezifischen MUPs mit dem Sterberisiko. Die MUP-Kategorien Aroma, Süßungsmittel, verschiedene Zuckerarten, Geschmacksverstärker und Farbstoffe zeigten eine signifikante, lineare Assoziation mit dem Sterberisiko. Für die MUP-Kategorien funktionelle Zusatzstoffe, modifizierte Öle, industrielle Proteinquellen und zugesetzte Ballaststoffe wurde dagegen keine signifikante Verbindung mit dem Sterberisiko festgestellt.
Von den 37 spezifischen MUPs, die in mindestens einem Lebensmittel vorkamen, waren 12 mit einem erhöhten Sterberisiko assoziiert. Dazu gehörten neben den zu den MUP-Kategorien identischen spezifischen MUPs Aromen und Farbstoff auch
- die Geschmacksverstärker Glutamat und Ribonucleotid,
- die Süßungsmittel Acesulfam, Saccharin und Sucralose,
- die funktionellen Zusatzstoffe Trennmittel, Festigungsmittel und Verdickungsmittel sowie
- die verschiedenen Zuckerarten Fruktose, Invertzucker, Laktose und Maltodextrin.
Geliermittel als funktioneller Zusatzstoff zeigte einen inversen signifikanten Zusammenhang mit dem Sterberisiko.
Für die restlichen 20 spezifischen MUPs wurde kein signifikanter Zusammenhang mit einem erhöhten Sterberisiko beobachtet.
Was ist die Schlussfolgerung der Studie?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass einige MUP-Kategorien, darunter Aromen, Süßungsmittel, verschiedene Zuckerarten, Geschmacksverstärker und Farbstoffe, positiv mit der Gesamtmortalität korrelieren, während funktionelle Zusatzstoffe, modifizierte Öle, industrielle Proteinquellen und zugesetzte Ballaststoffe keinen signifikanten Zusammenhang mit einer erhöhten Sterblichkeit aufweisen. Dies impliziert, dass möglicherweise nur bestimmte MUPs die krankheitsfördernden Effekte von UPFs bedingen.
Die Studie unterstützt das Vorgehen von Neatic, Aromen und Süßungsmittel zu vermeiden und den Verzehr von freien Zuckern zu begrenzen.
Literaturverzeichnis
Krost, Kathrin Marie; Eichner, Gerrit; Fasshauer, Mathias; Eise, Nathalie Judith (2025): Association of 37 markers of ultra-processing with all-cause mortality: a prospective cohort study in the UK Biobank. EClinicalMedicine 88, S. 103448. DOI: 10.1016/j.eclinm.2025.103448.
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Monteiro, Carlos A.; Louzada, Maria Lc; Steele-Martinez, Euridice; Cannon, Geoffrey; Andrade, Giovanna C.; Baker, Phillip; Bes-Rastrollo, Maira; Bonaccio, Marialaura; Gearhardt, Ashley N.; Khandpur, Neha; Kolby, Marit; Levy, Renata B.; Machado, Priscila P.; Moubarac, Jean-Claude; Rezende, Leandro F. M.; Rivera, Juan A.; Scrinis, Gyorgy; Srour, Bernard; Swinburn, Boyd; Touvier, Mathilde (2025): Ultra-processed foods and human health: the main thesis and the evidence. Lancet 406 (10520), S. 2667–2684. DOI: 10.1016/S0140-6736(25)01565-X.
Monteiro, Carlos Augusto; Cannon, Geoffrey; Moubarac, Jean-Claude; Levy, Renata Bertazzi; Louzada, Maria Laura C.; Jaime, Patrícia Constante (2017): The UN Decade of Nutrition, the NOVA food classification and the trouble with ultra-processing. Public Health Nutr 21 (1), S. 5–17. DOI: 10.1017/S1368980017000234.