Glutenfreie Ernährung

Abbildung zu glutenfreien und glutenhaltigen Nahrungsmitteln

Das Wichtigste in Kürze:

  • Menschen ernähren sich nicht nur glutenfrei, weil sie an einer glutenabhängigen Erkrankung leiden, sondern auch um Verdauungsprobleme zu verbessern, gesundheitssteigernde Effekte zu erzielen oder einfach nur, weil es ein aktueller Trend und ein Lifestyle ist.
  • Zöliakie-Betroffene müssen strikt auf Gluten verzichten. Personen mit anderen glutenabhängigen Erkrankungen haben oft mehr Spielraum aufgrund der individuellen Toleranzgrenze.
  • Ohne medizinischen Grund empfiehlt Neatic keine glutenfreie Ernährung.

Immer mehr Menschen entscheiden sich heutzutage dafür, auf glutenhaltige Lebensmittel zu verzichten. Einige ernähren sich aus persönlicher Vorliebe glutenfrei, andere erhoffen sich gesundheitliche Vorteile. Personen mit bestimmten Erkrankungen müssen das gesamte Leben auf Gluten verzichten oder sich stark einschränken.

Was ist Gluten?

Gluten ist ein Protein, das in Getreidearten wie Dinkel, Gerste, Roggen, Weizen sowie in den alten Weizensorten Einkorn, Emmer und Kamut vorkommt. Es verleiht Teigen Elastizität und sorgt dafür, dass Backwaren ihre Form und Struktur behalten. Gluten wirkt als Bindemittel für Flüssigkeiten und hält im Teig die Zutaten zusammen. Es wird nicht nur in offensichtlichen Getreideprodukten wie Brot oder Gebäck verwendet, sondern kommt auch in einer Vielzahl von verarbeiteten Produkten vor. Einige Beispiele sind Soßen, Dressings, Fertiggerichte, Wurstwaren, Süßigkeiten und Milchprodukte.

Beispiele für glutenfreie und glutenhaltige Lebensmittel

Beispiele für glutenfreie und glutenhaltige Lebensmittel

Die glutenfreie Ernährung

Bei einer glutenfreien Ernährung wird auf alle Lebensmittel verzichtet, die Gluten enthalten. Menschen ernähren sich aus verschiedenen Gründen glutenfrei.

  1. Glutenabhängige Erkrankungen: Hierzu gehören Zöliakie, Weizenallergie, Getreideallergie, weizenabhängige anstrengungsinduzierte Anaphylaxie und Nicht-Zöliakie-Weizen-Sensitivität.
  2. Verdauungsprobleme und gesundheitssteigernde Effekte: Eine glutenfreie Ernährung soll Verdauungsbeschwerden wie Durchfall oder Blähungen verbessern. Außerdem soll sie gesundheitsfördernde Effekte haben, z. B. extremer Müdigkeit nach dem Essen entgegenwirken, die Herzkranzgefäße schützen und beim Abnehmen helfen.
  3. Trend und Lifestyle: Einige Menschen glauben, dass eine glutenfreie Ernährung generell gesünder ist und zu einem besseren allgemeinen Wohlbefinden beiträgt. Auch die Vorbildfunktion prominenter Persönlichkeiten und die erhöhte Verfügbarkeit glutenfreier Produkte unterstützen diesen Trend.

Glutenabhängige Erkrankungen

  • Die Zöliakie (auch einheimische Sprue oder glutensensitive Enteropathie genannt) ist eine chronische Erkrankung, die den Darm sowie verschiedene Organsysteme betreffen kann. Rund 1 % der Menschen in Deutschland sind von der Erkrankung betroffen, wobei es eine hohe Dunkelziffer gibt, da viele Betroffene keine oder sehr unspezifische Symptome haben. Zöliakie ist keine Allergie oder Unverträglichkeit, sondern es besteht eine lebenslange Reaktion des eigenen Körpers gegenüber Gluten bzw. der Unterfraktion Gliadin. Wird die Aufnahme von Gluten konsequent vermieden, klingen die Symptome ab. Die Zöliakie wird meist im Kindesalter diagnostiziert, kann aber in jedem Alter auftreten. Nur ca. 10 bis 20 % der Betroffenen haben klassische Symptome wie Gedeihstörungen mit Gewichtsstillstand oder sogar -abnahme im Kleinkind- und Kindesalter, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Blutarmut und Durchfälle. Etwa 80 bis 90 % der Betroffenen haben untypische, wenige oder keine Symptome und wissen daher nicht von ihrer Erkrankung. Deshalb kann die Zöliakie über viele Jahre unentdeckt bleiben. Je älter die Betroffenen sind, umso häufiger sind untypische Verläufe ohne die klassischen Symptome. Die Erkrankung kann sich auch nur durch ein einzelnes Symptom wie einen ungeklärten Eisenmangel bemerkbar machen.
  • Bei der Weizenallergie kommt es zu einer Überempfindlichkeitsreaktion gegenüber einer Vielzahl von Weizenproteinen, darunter auch Gluten.
  • Bei der Getreideallergie können zusätzlich Reaktionen auch von anderen Getreidesorten wie Roggen ausgelöst werden. Die Getreideallergene befinden sich hauptsächlich unterhalb der Samenschale der Getreidekörner. Die Verträglichkeit von Getreidesorten kann also verbessert werden, indem Produkte mit höherem Ausmahlungsgrad verzehrt werden.
  • Die weizenabhängige anstrengungsinduzierte Anaphylaxie (auch wheat-dependent exercise-induced anaphylaxis oder WDEIA genannt) ist ein Krankheitsbild, bei dem Betroffene nach dem Verzehr von weizenhaltigen Produkten bei Anstrengung eine schwere allergische Reaktion – eine sogenannte Anaphylaxie – entwickeln. Neben der Anstrengung können noch weitere Faktoren wie die Einnahme von Schmerzmitteln, gleichzeitiger Alkoholkonsum oder hormonelle Einflüsse eine Rolle spielen.
  • Die Nicht-Zöliakie-Weizen-Sensitivität (auch non-coeliac wheat sensitivity oder NCWS genannt) ist eine weitere Form der Getreideunverträglichkeit. Hierbei haben Betroffene nach dem Verzehr von Weizenbestandteilen bzw. glutenhaltigen Getreidesorten Magen-Darm-Beschwerden, die der Symptomatik einer Zöliakie stark ähneln. Im Vergleich zur Zöliakie liegt bei diesen Betroffenen jedoch keine Darmschädigung vor.

Glutenfreie Ernährung bei Zöliakie und anderen glutenabhängigen Erkrankungen

Menschen mit einer Zöliakie müssen auf Gluten verzichten. Sie dürfen keine Ausnahmen machen. Schon kleinste Mengen Gluten führen zu einer direkten Schädigung des Darms und können zu langfristigen Gesundheitsproblemen führen. Menschen mit anderen glutenabhängigen Erkrankungen wie einer Weizenallergie oder Nicht-Zöliakie-Weizen-Sensitivität, haben meist mehr Spielraum in ihrer Ernährung. Beispielsweise können Personen mit einer Weizenallergie meist andere Getreidesorten wie Roggen oder Gerste gut vertragen und haben eine Toleranz von bis zu einigen Gramm Weizen. Kleinere Ausnahmen können somit in der Regel ohne schwerwiegende Folgen gemacht werden. Dies kann unter den Betroffenen allerdings individuell sehr unterschiedlich sein.

Glutenfreie Ernährung aus anderen Gründen

Aber wie sieht es mit Menschen aus, die keine glutenabhängigen Erkrankungen haben, sondern auf Gluten verzichten, um Verdauungsprobleme zu verbessern, gesundheitssteigernde Effekte zu erzielen oder einfach nur, weil es ein aktueller Trend und Lifestyle ist? Hier gibt es keine überzeugenden Daten, dass eine glutenfreie Ernährung medizinisch sinnvoll ist. So konnten zwei Studien des Neatic-Teams keinen Zusammenhang zwischen der Glutenaufnahme und metabolischen Erkrankungen sowie dem Versterbensrisiko finden. Zudem hat der Verzicht auf Gluten auch Nachteile, welche beachtet werden müssen. So kann eine glutenfreie Ernährung zu Nährstoffdefiziten wie einem Mangel an Vitamin D, Vitamin B12 und Folsäure führen. Glutenfreie Fertigprodukte aus Stärke oder raffiniertem Mehl enthalten häufig weniger Ballaststoffe und weniger Mineralien wie Magnesium, Zink, Kalzium und Eisen. Zudem werden häufig mehr Zucker und gesättigte Fette aufgenommen. Außerdem sind glutenfreie Produkte in der Regel teurer als glutenhaltige Produkte und führen dadurch zu höheren Lebenshaltungskosten. Auswärtsessen auf Reisen, in Restaurants, aber auch bei Freunden oder sozialen Ereignissen stellt oft eine große Herausforderung dar. Beim Fehlen einer glutenabhängigen Erkrankung gibt es aus ernährungsphysiologischer Sicht keinen Grund, auf glutenhaltige Produkte zu verzichten.


Wenn keine Zöliakie vorliegt, dennoch aber Beschwerden nach dem Verzehr von glutenhaltigen Lebensmitteln auftreten, lohnt es sich, einen Blick auf die aktuelle Lebensmittelauswahl zu werfen. Eine Ernährung mit vielen Fertig- und Weißmehlprodukten enthält in der Regel auch deutlich mehr Gluten. Oftmals können schon kleine Änderungen, wie die Umstellung auf Vollkornprodukte und die Reduzierung von Fertigprodukten sowie die Erhöhung von frischen naturbelassenen Produkten die Symptome lindern.

Was sagt Neatic dazu?

Glutenfreie Lebensmittel sind nicht automatisch gesünder oder ungesünder. Naturbelassene Lebensmittel wie Obst, Gemüse oder Reis, die in einer glutenfreien Ernährung verzehrt werden, sind auch in Neatic ohne Einschränkung erlaubt. Allerdings sind viele glutenfreie Ersatzprodukte hochverarbeitet und können Aromen enthalten. Während Brot und Brötchen selten aromatisiert sind, finden sich in Gebäck und Süßigkeiten häufiger Aromen. Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich hier in jedem Fall. Wenn kein medizinischer Grund vorliegt, ist eine glutenfreie Ernährung nicht zu empfehlen, da gesundheitsfördernde Effekte wissenschaftlich nicht belegt sind.

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