Das Wichtigste in Kürze:
- Fiber Maxing, auch als Fibermaxing oder Fibermaxxing bezeichnet, ist ein vor allem in sozialen Medien beworbener Trend, der dazu anregt, der gewohnten Ernährung isolierte Ballaststoffprodukte hinzuzufügen.
- Zugesetzte Ballaststoffe sind ein Marker für hochverarbeitete Lebensmittel (MUP). Viele Produkte mit zugesetzten Ballaststoffen, etwa Getränke und Riegel, enthalten zusätzlich weitere MUPs wie zugesetzte Aromen, Süßungsmittel und Farbstoffe.
- Natürlich-ballaststoffreiche Lebensmittel sind zwar mit verschiedenen gesundheitlichen Vorteilen verbunden. Fiber Maxing verbessert die Ernährungsqualität insgesamt jedoch nicht und kann sogar negative Effekte haben, insbesondere wenn es über Produkte mit zusätzlichen MUPs praktiziert wird.
Was sind Ballaststoffe und welche gesundheitlichen Vorteile haben sie?
Ausführliche Informationen zu natürlichen Ballaststoffen findest Du hier. Kurz gesagt: Ballaststoffe können von den Verdauungsenzymen des Körpers nicht abgebaut werden und kommen fast ausschließlich in pflanzlichen Lebensmitteln vor, etwa in Vollkornprodukten, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen. Ballaststoffe erfüllen mehrere wichtige physiologische Funktionen: Sie binden Wasser, fördern die Sättigung, beugen Verstopfung vor, dienen den guten Darmbakterien als Futter und binden Giftstoffe im Darm.
Was unterscheidet eine natürliche Erhöhung der Ballaststoffzufuhr von Fiber Maxing?
Die Ballaststoffzufuhr lässt sich natürlich erhöhen, indem mehr ballaststoffreiche, unverarbeitete Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen verzehrt werden. In den meisten Fällen verbessert das gleichzeitig die Ernährungsqualität insgesamt, nicht zuletzt, weil dadurch typischerweise hochverarbeitete Lebensmittel (UPF) verdrängt werden.
Fiber Maxing ist dagegen eine vermeintlich schnelle Lösung zur Erhöhung der Ballaststoffzufuhr, bei der isolierte Ballaststoffe Lebensmitteln oder Getränken zugesetzt werden, entweder bei der Herstellung oder durch den Verbraucher selbst. Dabei werden Ballaststoffe meist Lebensmitteln und Getränken zugesetzt, die von Natur aus wenig oder keine Ballaststoffe enthalten. So sind in letzter Zeit beispielsweise mehrere Getränke mit Süßungsmitteln und zugesetzten löslichen Ballaststoffen auf den Markt gekommen, die als gesunde Wahl beworben werden.
Vorteile natürlich-ballaststoffreicher Lebensmittel
Es gibt überzeugende Evidenz dafür, dass ein hoher Verzehr ballaststoffreicher, natürlicher Lebensmittel mit einer höheren Lebenserwartung, einem geringeren Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Typ 2 Diabetes mellitus und Darmkrebs sowie mit einem niedrigeren Körpergewicht, niedrigerem systolischen Blutdruck und niedrigerem Gesamtcholesterin verbunden ist.
Welche potenziellen Vorteile hat Fiber Maxing?
Behandlung von Verstopfung
Für Fiber Maxing ist die Evidenz am stärksten für den Einsatz bei der Behandlung von Verstopfung. Insbesondere Flohsamenschalen (Psyllium), ein löslicher, gelbildender Ballaststoff, werden für diese Indikation empfohlen.
Kaum kardiometabolische Effekte
Im Gegensatz dazu ist die Evidenz für andere klinisch relevante gesundheitliche Vorteile von Fiber Maxing nicht überzeugend. In einer zweijährigen Interventionsstudie mit gesunden Teilnehmern hatte die Supplementierung mit unlöslichen Getreideballaststoffen keinen signifikanten Effekt auf den Glukosestoffwechsel. Diese Ergebnisse stimmen mit denen einer dreimonatigen Crossover-Studie bei Patienten mit Typ 2 Diabetes mellitus überein, in der die Supplementierung mit unlöslichen Getreideballaststoffen die Blutzuckereinstellung nicht verbesserte. Eine Meta-Analyse von 83 Studien ergab, dass die Supplementierung mit löslichen Ballaststoffen den systolischen Blutdruck signifikant um 1,4 mmHg und den diastolischen Blutdruck um 0,7 mmHg senkte. Die Autoren räumten jedoch ein, dass dieses „Ausmaß der Senkung von systolischem und diastolischem Blutdruck, das in unserer Studie festgestellt wurde, möglicherweise klinisch nicht relevant ist“. Ebenso berichtete eine Meta-Analyse von 38 Studien signifikante, aber geringe Senkungen von Triglyzeriden (17 mg/dL) und LDL-Cholesterin (11 mg/dL) nach Supplementierung mit löslichen Ballaststoffen. Zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen betonte eine systematische Übersichtsarbeit die Notwendigkeit „längerfristiger, gut durchgeführter randomisierter, kontrollierter Studien, um die Effekte von Ballaststofftyp (löslich versus unlöslich) und Verabreichungsform (Supplemente versus Lebensmittel) zu bestimmen“.
Bei der Bewertung der potenziellen Vorteile von Fiber Maxing sind zwei weitere Punkte zu berücksichtigen. Erstens werden viele Interventionsstudien von Herstellern von Fiber Maxing-Produkten finanziert, und industriefinanzierte Ernährungsstudien berichten mit größerer Wahrscheinlichkeit für den Geldgeber günstige Schlussfolgerungen als unabhängig finanzierte Studien. Zweitens berufen sich Social-Media-Kampagnen, die Fiber Maxing bewerben, häufig auf Studien zur Erhöhung der Ballaststoffzufuhr durch natürlich-ballaststoffreiche Lebensmittel. Dabei handelt es sich jedoch um grundlegend unterschiedliche Ansätze. Anders als Fiber Maxing-Produkte, die meist nur einen oder wenige Wirkstoffe enthalten, liefern natürliche Lebensmittel wie Äpfel neben Makronährstoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen auch mehrere Tausend sekundäre Pflanzenstoffe, die möglicherweise synergistisch zusammenwirken und so gesundheitliche Vorteile bieten.
Besserer Nutri-Score
Fiber Maxing bietet auch für Lebensmittelhersteller Vorteile: Da Ballaststoffe im Nutri-Score als günstiger Nährstoff gelten, kann das Zusetzen isolierter Ballaststoffe den Nutri-Score eines Produkts verbessern und dadurch seine Attraktivität für Verbraucher steigern.
Welche potenziellen Risiken hat Fiber Maxing?
Matrix hochverarbeiteter Lebensmittel
Laut der NOVA-Klassifikation sind zugesetzte Ballaststoffe ein Marker für hochverarbeitete Lebensmittel (MUP). Damit ist per Definition jedes Fiber Maxing-Produkt ein hochverarbeitetes Lebensmittel. Es gibt jedoch keine überzeugende Evidenz dafür, dass zugesetzte Ballaststoffe an sich gesundheitsschädliche Effekte haben.
Vielmehr ist die Lebensmittelmatrix, der die Ballaststoffe zugesetzt werden, von größerer Bedeutung. Moderne Fiber Maxing-Produkte binden isolierte Ballaststoffe typischerweise in eine hochverarbeitete Lebensmittelmatrix ein. So werden lösliche Ballaststoffe zunehmend Softdrinks zugesetzt, die zusätzlich die MUP Aroma und Süßungsmittel enthalten. Beide führen zu Überessen und Übergewicht. Die Behauptung, ein Softdrink werde allein durch den Zusatz löslicher Ballaststoffe zu einer gesunden Wahl, ist daher als Marketingaussage und nicht als evidenzbasierte Schlussfolgerung zu betrachten.
Verdrängung natürlich-ballaststoffreicher Lebensmittel
Ein weiterer möglicher Kritikpunkt ist, dass Fiber Maxing-Produkte natürlich-ballaststoffreiche Lebensmittel aus der Ernährung verdrängen können. Nach dem Verzehr von drei Dosen eines mit Ballaststoffen angereicherten, Softdrinks mit jeweils 10 g Ballaststoffen könnten Verbraucher annehmen, die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlene Tageszufuhr von 30 g Ballaststoffen bereits erreicht zu haben, und deshalb auf Vollkornprodukte, Obst und Gemüse verzichten. Fiber Maxing und eine erhöhte Aufnahme natürlich-ballaststoffreicher Lebensmittel sind hinsichtlich ihres gesundheitsförderlichen Potenzials jedoch grundlegend unterschiedliche Ansätze.
Was sagt Neatic zu Fiber Maxing?
Fiber Maxing birgt mehr potenzielle Risiken als Vorteile. Der Einsatz von Flohsamenschalen als Ballaststoff zur Behandlung von Verstopfung ist durch die Literatur gut belegt. Da Fiber Maxing-Produkte jedoch häufig zusätzliche MUP wie zugesetzte Aromen und Süßungsmittel enthalten, sollten sie gemieden werden. Eine erhöhte Aufnahme natürlich-ballaststoffreicher Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen hat dagegen durchgehend gesundheitsförderliche Effekte und kann uneingeschränkt empfohlen werden.
Mehr zum Thema Ballaststoffe erfährst Du hier.
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