Ketogene Diät

Links sind Lebensmittel dargestellt, die bei einer ketogenen Diät vermieden werden sollten, rechts sind besonders geeigneten Lebensmittel zu sehen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die ketogene Diät ist eine Ernährungsweise, die sich stark auf den Verzehr von Fetten konzentriert und die Zufuhr von Kohlenhydraten drastisch einschränkt.
  • Sie hat nachweislich eine therapeutische Wirkung bei epileptischen Erkrankungen und seltenen Stoffwechselerkrankungen. Die Effekte auf das Körpergewicht sind dagegen vergleichbar zu kalorienreduzierten Diäten.
  • Neatic hält die ketogene Diät außerhalb dieser spezifischen medizinischen Indikationen für nicht sinnvoll. Insbesondere sollte sie nicht zur Gewichtsreduktion genutzt werden.

Was ist die ketogene Diät?

Die ketogene Diät ist eine Ernährungsweise, die sich stark auf den Verzehr von Fetten konzentriert und die Zufuhr von Kohlenhydraten drastisch einschränkt. Der Name „ketogen“ stammt von der sogenannten „Ketose“. In diesen Stoffwechselzustand gerät der Körper, wenn er hauptsächlich Fett als Energiequelle nutzt anstelle von Kohlenhydraten.

Wie funktioniert die Ketose?

Normalerweise verwendet der Körper Kohlenhydrate als primäre Energiequelle. Kohlenhydrate werden in Zucker (Glukose) aufgespalten, der dann von den Zellen verbrannt wird, um Energie zu erzeugen. Auch Aminosäuren, die Bausteine von Proteinen, können zu Zucker umgebaut und verbrannt werden. Für Fett hingegen gibt es keine Möglichkeit, in Zucker umgewandelt zu werden.

Wenn kaum Kohlenhydrate und Proteine gegessen werden, gehen die Glukosespeicher im Körper zur Neige. Nach einigen Tagen ist der Körper gezwungen, auf eine alternative Energiequelle umzusteigen: die sogenannten Ketonkörper, die in der Leber aus Fett hergestellt werden. Es gibt drei Ketonkörper: β-Hydroxybutyrat, Acetoacetat und Aceton. Während β-Hydroxybutyrat und Acetoacetat für die Energiegewinnung genutzt werden können, wird Aceton über die Lunge abgeatmet.

Fast alle Zellen des Körpers können von Glukose auf Ketonkörper als Energiequelle umstellen. Eine Ausnahme bildet die Leber, da ihr ein Enzym für den Abbau von Ketonkörpern fehlt. Auch rote Blutkörperchen können keine Ketonkörper nutzen, da ihnen die für den Stoffwechsel notwendigen Mitochondrien fehlen. Der Zustand, in dem der Körper überwiegend Ketonkörper als Energiequelle nutzt, wird als Ketose bezeichnet. Die Erreichung dieses Zustands ist das Hauptziel der ketogenen Diät.

Welche Formen gibt es?

Gemeinsam ist allen Formen die strikte Begrenzung der Kohlenhydrate. Es werden deutlich weniger als 10 % der Nahrungsenergie aus Kohlenhydraten bezogen. Bei einer 2000-Kilokalorien-Ernährung entsprechen 10 % der Nahrungsenergie etwa 50 g Kohlenhydraten. Diese Menge ist beispielsweise in 68 g Reis, 100 g Mehrkornbrot oder 500 g Banane enthalten. Damit ist die Kohlenhydratbegrenzung bei der ketogenen Diät meist deutlich strikter als bei herkömmlichen Low-Carb-Diäten. Zudem ist zu beachten, dass bei vielen ketogenen Diäten die Zufuhr essenzieller Nährstoffe nicht gesichert ist, sodass zusätzlich Supplemente eingenommen werden müssen.

Die Hauptformen der ketogenen Diät sind:

  1. Klassische ketogene Diät
    Hier wird ein sogenanntes ketogenes Verhältnis von 4:1 oder 3:1 vorgegeben. Dieses Verhältnis bezieht sich auf den Anteil von Fetten zu Kohlenhydraten und Proteinen in Gramm. Bei einer klassischen 4:1-Diät kommen auf 4 g Fettaufnahme lediglich 1 g Kohlenhydrate und Proteine. Umgerechnet auf Energie bedeutet dies, dass 90 % der Nahrungsenergie aus Fett stammen und nur 10 % aus Kohlenhydraten und Proteinen. Bei einer 3:1-Diät werden immer noch 87 % der Energie aus Fett gewonnen, während Kohlenhydrate und Proteine zusammen 13 % ausmachen.
  2. Modifizierte Atkins-Diät (Modified Atkins Diet, MAD)
    Der Fokus liegt auf der Kohlenhydratbegrenzung. Die Zufuhr von Fett und Protein kann im Vergleich zur klassischen ketogenen Diät etwas „freier“ gestaltet werden. Der Fettanteil der Nahrung liegt häufig bei etwa 70 % der Energiezufuhr und damit niedriger als bei der klassischen Variante.
  3. Niedrig-glykämische Index-Therapie (Low Glycemic Index Treatment, LGIT)
    Diese Diät besitzt ein ähnliches Verhältnis zwischen Fett, Kohlenhydraten und Proteinen wie die modifizierte Atkins-Diät. Zusätzlich wird hier jedoch Wert auf Lebensmittel gelegt, die den Blutzucker weniger stark ansteigen lassen. Die blutzuckersteigernde Wirkung eines Lebensmittels wird anhand des glykämischen Index gemessen. Lebensmittel mit einem glykämischen Index von <50 werden bevorzugt, beispielsweise Vollkornspaghetti, Erbsen, Äpfel und Paprika.
  4. Mittelkettige Triglyzerid-Diät (Medium Chain Triglycerides diet, MCT diet)
    Bei dieser Variante werden mittelkettige Triglyzeride (MCTs) als Hauptenergiequelle genutzt, die zwischen 30 % und 60 % der Nahrungsenergie ausmachen. Im Gegensatz zu den langkettigen Fettsäuren, die natürlicherweise in der Nahrung vorkommen, werden MCTs direkt in die Leber transportiert und dort zu Ketonkörpern umgewandelt. Diese Form der Diät wird oft als flexibler beworben, da kein ketogenes Verhältnis eingehalten werden muss. Jedoch werden MCTs synthetisch hergestellt, haben eingeschränkte küchentechnische Eigenschaften und können Magen-Darm-Beschwerden verursachen. Daher ist diese Form wenig verbreitet.

Warum führen Menschen eine ketogene Diät durch?

Die Gründe für die Durchführung einer ketogenen Diät sind vielfältig:

  • Therapieresistente epileptische Erkrankungen: Besonders bei Epilepsie (Krampfleiden), die nicht auf Medikamente anspricht.
  • Seltene Stoffwechselerkrankungen: Beispiele sind das Glukosetransporter-Typ-1-Defizienzsyndrom und der Pyruvatdehydrogenase-Mangel.
  • Gewichtsabnahme: Viele Menschen erhoffen sich einen dauerhaften Gewichtsverlust. Es wird oft behauptet, dass der Fettabbau gefördert wird, da der Körper Fett als Hauptenergiequelle nutzt. Außerdem sollen ein stabiler Blutzuckerspiegel und reduzierte Heißhungerattacken den Erfolg begünstigen.
  • Weitere Anwendungen: Tumoren, Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson, Autismus, bipolare Störungen, Migräne und Multiple Sklerose. Viele dieser Anwendungen sind jedoch wissenschaftlich nicht belegt (siehe „Was sagt die Wissenschaft?“).
Ketogene Lebensmittelauswahl: Lachs, Fleisch, Eier, Nüsse, Gemüse, Obst

Welche Lebensmittel sind erlaubt?

Die ketogene Diät erfordert eine sorgfältige Auswahl an Lebensmitteln, da der Verzehr von Kohlenhydraten stark eingeschränkt wird. Folgende Lebensmittel sind besonders geeignet:

  • Fettes Fleisch und fettreiche Wurstsorten
  • Fette Milchprodukte wie Sahne, Creme fraîche, Schmand, Mascarpone
  • Pflanzliche Öle, einschließlich MCT-Öl
  • Mayonnaise
  • Eier
  • Pflanzenprodukte mit hohem Fettgehalt wie Mandelmus, Avocados, Leinsamen und Nüsse

Zudem werden oft Ersatzprodukte verwendet, die kohlenhydratreiche Lebensmittel imitieren. Beispiele dafür sind:

  • Geriebener Blumenkohl als Reisersatz
  • Zucchini-Spiralen als Nudelersatz
  • Reis und Nudeln aus der Konjakwurzel
  • Guarkernmehl und Johannisbrotkernmehl als Verdickungsmittel

Häufig werden Fette zusätzlich integriert oder „versteckt“. Beispiele dafür sind:

  • Sahne oder Öl in Suppen, Quark, Joghurt, Kartoffelpüree oder Rührei einrühren
  • Butter oder Margarine über gegartes Gemüse geben
  • Sahne mit Johannisbrotkern- oder Guarkernmehl zu Soßen oder Pudding verarbeiten
  • Mayonnaise für Salate oder Dips verwenden
  • Brot in Fett braten
  • Speisen mit Käse überbacken
  • Öl vor dem eigentlichen Essen trinken bzw. in den Kaffee geben
  • „Fettreiche“ Garmethoden, z. B. Bratkartoffeln statt Salzkartoffeln

Zu vermeiden sind hingegen kohlenhydratreiche Lebensmittel. Mehr Informationen zu Kohlenhydraten und ihrer Verbreitung findest Du hier.

Wie wird die Ketose nachgewiesen?

Es gibt drei Möglichkeiten, die Ketose im Körper nachzuweisen:

  • Bluttests: Der Ketonkörper β-Hydroxybutyrat kann über Bluttests gemessen werden. Die Messung funktioniert ähnlich wie die Blutzuckermessung bei Diabetes mellitus-Patienten.
  • Urinstreifentests: Hierbei wird der Ketonkörper Acetoacetat nachgewiesen. Diese Methode ist einfach und kostengünstig, jedoch weniger präzise.
  • Atemtests: Der Ketonkörper Aceton kann in der Ausatemluft nachgewiesen werden.

In der Praxis wird meist eine dieser drei Methoden genutzt. Je nach Gerät und Methode können unterschiedliche Zielbereiche für die Ketose gelten.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Die ketogene Diät kann vielfältige Nebenwirkungen mit sich bringen:

  • „Keto-Grippe“: Während der ersten Tage können Symptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit und Reizbarkeit auftreten. Dies ist eine Reaktion auf den Entzug von Kohlenhydraten und klingt normalerweise nach ein paar Tagen ab.
  • Wasserverlust: Der Abbau der als Glykogen gespeicherten Kohlenhydrate führt zu einem Verlust des an Glykogen gebundenen Wassers. Zudem werden Ketonkörper über den Urin ausgeschieden, was weiteren Flüssigkeitsverlust nach sich zieht.
  • Unterzuckerung: Die drastische Reduzierung der Kohlenhydratzufuhr und die Entleerung der Glykogenspeicher können zu Unterzuckerung führen. Dies äußert sich in Symptomen wie Heißhunger, Zittern und Konzentrationsproblemen.
  • Verstopfung: Aufgrund der oft geringen Ballaststoffaufnahme klagen viele Menschen bei der ketogenen Diät über Verstopfung.
  • Vitamin- und Mikronährstoffmangel: Durch die geringe Zufuhr von Obst und Gemüse kann die Versorgung mit Vitaminen und Mikronährstoffen unzureichend sein. Nahrungsergänzungsmittel können helfen, decken jedoch nicht immer den Bedarf vollständig.
  • Erhöhte Blutfette: Die hohe Fettzufuhr führt oft zu einem Anstieg der LDL-Cholesterinwerte. Inwieweit dies das Risiko für Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht, ist noch nicht geklärt. Triglyzeride hingegen nehmen unter der ketogenen Diät ab.
  • Nierenfunktionsstörungen: Die erhöhte Ausscheidung von Ketonkörpern kann die Nieren belasten, insbesondere bei vorbestehenden Nierenerkrankungen.
  • Eingeschränkte Lebensmittelauswahl: Die drastische Reduzierung von Kohlenhydraten bedeutet, dass viele beliebte Lebensmittel wegfallen. Dies kann zu sozialen und praktischen Herausforderungen führen, z. B. beim Essen außer Haus.

Besondere Vorsicht ist bei Schwangeren, Stillenden, Kindern und Jugendlichen sowie bei Menschen mit Nieren- oder Lebererkrankungen geboten.

Was sagt die Wissenschaft?

Im Jahr 2023 wurden die Wirkungen der ketogenen Diät in einem umfassenden Review-Artikel in der Fachzeitschrift BMC Medicine zusammengefasst. Die ketogene Diät zeigte eine deutliche Wirksamkeit bei therapieresistenten Formen von Epilepsie sowie bei bestimmten Stoffwechselerkrankungen. Für die Gewichtsreduktion wurden Studien mit nur geringer oder sehr geringer Vertrauenswürdigkeit identifiziert. Für Endpunkte wie Tumorerkrankungen, Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson, Autismus, bipolare Störungen, Migräne oder Multiple Sklerose wurde keine überzeugende Evidenz gefunden. Studien mit hoher Vertrauenswürdigkeit zeigten einen Anstieg des LDL-Cholesterins, während Triglyzeride unter der ketogenen Diät abnahmen.

Ein weiterer systematischer Review zeigte, dass die ketogene Diät signifikant zur Reduktion von Krampfanfällen bei Kindern und Jugendlichen mit therapieresistenter Epilepsie beiträgt.

In einer Metaanalyse wurden die Effekte der ketogenen Diät bei Typ 2 Diabetes mellitus-Patienten untersucht. Die Ergebnisse zeigten eine um 0,2 kg bessere Gewichtsabnahme im Vergleich zu kalorienreduzierten Diäten. Dieser Unterschied war jedoch nicht statistisch signifikant.

Was sagt Neatic?

Im Gegensatz zur ketogenen Diät beschränkt Neatic nicht pauschal alle Kohlenhydrate, sondern begrenzt gezielt Ein- und Zweifachzucker. Dazu gehören Zuckerarten, die Lebensmitteln während der Herstellung zugesetzt werden, wie Haushaltszucker, Glukose, Fruktose sowie Sirup, Fruchtsaft, Fruchtsaftkonzentrat, Most und Honig. Natürliche Zuckerquellen wie Obst und Vollkornprodukte werden nicht eingeschränkt.

Neatic hält die ketogene Diät außerhalb spezifischer medizinischer Anwendungen (z. B. therapieresistente Epilepsie) weder für sinnvoll noch für notwendig. Zur dauerhaften Gewichtsabnahme ist sie nicht geeignet. Risiken der ketogenen Diät sind eine massive Einschränkung der Lebensmittelauswahl, ein gestörtes Essverhalten, der Jojo-Effekt sowie die beschriebenen Nebenwirkungen.

Literaturverzeichnis

Choy, Kimberley Yu Ching; Louie, Jimmy Chun Yu (2023): The effects of the ketogenic diet for the management of type 2 diabetes mellitus: A systematic review and meta-analysis of recent studies. Diabetes Metab Syndr 17 (12), S. 102905. DOI: 10.1016/j.dsx.2023.102905.

Patikorn, Chanthawat; Saidoung, Pantakarn; Pham, Tuan; Phisalprapa, Pochamana; Lee, Yeong Yeh; Varady, Krista A.; Veettil, Sajesh K.; Chaiyakunapruk, Nathorn (2023): Effects of ketogenic diet on health outcomes: an umbrella review of meta-analyses of randomized clinical trials. BMC medicine 21 (1), S. 196. DOI: 10.1186/s12916-023-02874-y.

Sourbron, Jo; Klinkenberg, Sylvia; van Kuijk, Sander M. J.; Lagae, Lieven; Lambrechts, Danielle; Braakman, Hilde M. H.; Majoie, Marian (2020): Ketogenic diet for the treatment of pediatric epilepsy: review and meta-analysis. Childs Nerv Syst 36 (6), S. 1099–1109. DOI: 10.1007/s00381-020-04578-7.

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