Das Wichtigste in Kürze:
- Protein Maxing, auch als Proteinmaxing, Proteinmaxxing, High-Protein-Trend oder Protein-Hype bezeichnet, beschreibt die Praxis, der normalen Ernährung zusätzlich Produkte mit künstlich zugesetztem Eiweiß hinzuzufügen.
- Zugesetztes Eiweiß ist ein Marker für hochverarbeitete Lebensmittel (MUP). Viele Produkte mit zugesetztem Eiweiß, etwa Shakes, Riegel und Pulver, enthalten zusätzlich weitere MUPs wie zugesetzte Aromen, Süßungsmittel und Farbstoffe.
- Die natürliche Eiweißzufuhr ist in den meisten Industrieländern in der Regel mehr als ausreichend. Protein Maxing bietet nur marginale Vorteile, birgt jedoch potenzielle langfristige Risiken wie Nierenerkrankungen, eine verringerte Lebenserwartung und Übergewicht.
Was ist Eiweiß?
Ausführliche Informationen zu Eiweiß findest Du hier. Kurz gesagt: Eiweiß ist ein Makronährstoff, der nicht nur 4 kcal Energie pro Gramm liefert, sondern auch wichtige Funktionen erfüllt, etwa den Sauerstofftransport, die Ermöglichung der Muskelkontraktion und die Abwehr von Krankheitserregern.
Anders als bei Kohlenhydraten sind mehrere der Aminosäuren, aus denen Eiweiß besteht, essenziell. Das bedeutet, dass diese Aminosäuren über die Ernährung aufgenommen werden müssen, da der Körper sie nicht selbst herstellen kann. Eine ausreichende Eiweißzufuhr ist daher notwendig, um die Gesundheit zu erhalten.
Was ist Protein Maxing?
Protein Maxing ist eine vermeintlich einfache Lösung zur Erhöhung der Eiweißzufuhr. Dabei wird Produkten wie Shakes, Riegeln und Pulvern isoliertes Eiweiß zugesetzt, entweder durch den Hersteller oder durch den Verbraucher selbst. Eiweiß wird häufig aus Milch (als Molkenprotein oder Kasein), Soja oder Erbsen isoliert. Im Jahr 2025 hatte der weltweite Markt für eiweißangereicherte Lebensmittelprodukte ein Volumen von knapp 30 Milliarden Dollar. Aktuelle Trends zeigen einen zunehmenden Konsum eiweißangereicherter Snacks und Getränke, was den modernen, schnelllebigen Lebensstil widerspiegelt. So sind in letzter Zeit beispielsweise zahlreiche High-Protein-Riegel auf den Markt gekommen, die als gesunde Wahl beworben werden.
Zudem hat sich Protein Maxing zu einem der zentralen ernährungsbezogenen Themen in den sozialen Medien entwickelt. Eiweiß wird dabei oft nicht als einer von vielen Nährstoffen dargestellt, sondern als einfache Lösung für komplexe Probleme. Content-Creator in sozialen Medien greifen dabei häufig auf Vereinfachungen zurück, zum Beispiel „Gewichtsverlust gleich mehr Eiweiß“, auf plakative Gegenüberstellungen, etwa „richtiges“ versus „falsches“ Verhalten ohne Raum für Nuancen, auf emotionale Erzählungen wie Erfolg versus Misserfolg sowie auf aus dem Zusammenhang gerissene Informationen, etwa ohne Berücksichtigung der gesamten Energiezufuhr oder des Lebensstils. Gleichzeitig sind verarbeitete High-Protein-Produkte in den sozialen Medien sehr präsent. Diese verstärkte Aufmerksamkeit für Eiweiß dürfte zur Verbrauchernachfrage beitragen, was sich im wachsenden Angebot eiweißangereicherter Produkte auf dem Markt widerspiegelt.
Welche potenziellen Vorteile hat Protein Maxing?
Erhöhte Muskelmasse
Die Muskelmasse, für die die fettfreie Körpermasse als Marker dient, ist ein naheliegendes Ziel, da Muskeln überwiegend aus Eiweiß bestehen. Die beworbene Rolle von Protein Maxing bei der Zunahme der Muskelmasse ist daher physiologisch plausibel. Eine aktuelle Meta-Analyse von 48 Studien ergab, dass die Muskelmasse in Kombination mit Krafttraining in der Protein Maxing-Gruppe im Vergleich zur Standardernährungsgruppe signifikant um 1,05 kg zunahm. Ohne Krafttraining führte Protein Maxing lediglich zu einem nicht signifikanten Anstieg der Muskelmasse um 0,15 kg. Die Muskelmasse nahm auch dann nicht weiter zu, wenn die Eiweißzufuhr durch Protein Maxing 1,6 g Eiweiß pro kg Körpergewicht und Tag überstieg.
Bessere Sättigung und weniger Übergewicht
Eiweiß wirkt vermutlich stärker sättigend als Kohlenhydrate und Fett, indem es die Sättigungshormone Peptid YY (PYY) und Glucagon-like Peptide-1 (GLP-1) stimuliert, das Hungerhormon Ghrelin unterdrückt und die Magenentleerung verlangsamt. Eine aktuelle Meta-Analyse zeigte jedoch, dass diese Effekte nur kurzfristig nachweisbar sind. In Langzeitinterventionen hatte Protein Maxing keinen signifikanten Effekt auf Hunger, Völlegefühl, Essverlangen, den erwarteten Verzehr, die Sättigung, PYY oder Ghrelin, während der GLP-1-Spiegel sogar signifikant abnahm. In einer weiteren Meta-Analyse wurde das Körpergewicht durch Protein Maxing nicht signifikant beeinflusst.
Wichtig ist außerdem, dass viele der in diese Meta-Analysen eingeschlossenen Interventionsstudien von Herstellern von Protein Maxing-Produkten finanziert wurden. Industriefinanzierte Ernährungsstudien berichten mit größerer Wahrscheinlichkeit für den Geldgeber günstige Schlussfolgerungen als unabhängig finanzierte Studien.
Besserer Nutri-Score
Protein Maxing bietet auch für Lebensmittelhersteller Vorteile. Da Eiweiß im Nutri-Score als günstiger Nährstoff gilt, kann das Zusetzen isolierten Eiweißes den Nutri-Score eines Produkts verbessern und dadurch seine Attraktivität für Verbraucher steigern.
Darüber hinaus profitieren Lebensmittelhersteller auch finanziell. Eine Querschnittsstudie zu High-Protein-Lebensmitteln in deutschen Supermärkten und Online-Shops ergab, dass High-Protein-Produkte im Durchschnitt 132 % teurer waren als vergleichbare herkömmliche Produkte.
Welche potenziellen Risiken hat Protein Maxing?
Nierenerkrankungen
Eine hohe Eiweißzufuhr wurde bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung mit einem schnelleren Fortschreiten der Erkrankung in Verbindung gebracht. Ein Mechanismus dabei ist, dass beim Abbau von Aminosäuren eine Nettosäurelast sowie Phosphat entstehen, die beide über die Nieren ausgeschieden werden müssen, wodurch die Anforderungen an die Ausscheidungsfunktion der Nieren steigen.
Eine aktuelle Meta-Analyse, die keine negativen Effekte von Protein Maxing auf die Nierenfunktion zeigte, wird häufig als Beleg für die Unbedenklichkeit dieser Maßnahme angeführt. Die Autoren der Studie weisen jedoch zu Recht darauf hin, dass bisher keine Interventionsstudie mit einer Dauer von mehr als zwei Jahren durchgeführt wurde. Protein Maxing ist daher bei den meisten gesunden Menschen wahrscheinlich für einige Jahre unbedenklich. Negative Effekte zu einem späteren Zeitpunkt sind jedoch durchaus möglich und mechanistisch plausibel.
Verringerte Lebenserwartung
In einer Übersichtsarbeit wurde überzeugend gezeigt, dass nicht Protein Maxing, sondern im Gegenteil eine eingeschränkte Eiweißzufuhr die Lebenserwartung in mehreren Tiermodellen erhöht. Ein dauerhaft übermäßiger Eiweißkonsum bietet über den tatsächlichen Bedarf hinaus möglicherweise nicht nur keinen zusätzlichen physiologischen Nutzen, sondern könnte auch lebensverlängernde Stoffwechselwege stören. Zu den vorgeschlagenen Mechanismen für die lebensverlängernde Wirkung einer eingeschränkten Eiweißzufuhr zählen eine verringerte Aktivierung des mechanistic target of rapamycin (mTOR)-Signalwegs, eine verstärkte Autophagie und eine verbesserte metabolische Widerstandsfähigkeit.
Hochverarbeitete Lebensmittel, übermäßige Energiezufuhr und Übergewicht
Laut der NOVA-Klassifikation ist zugesetztes Eiweiß ein Marker für hochverarbeitete Lebensmittel (MUP). Damit ist per Definition jedes Protein Maxing-Produkt ein hochverarbeitetes Lebensmittel. Erschwerend kommt hinzu, dass moderne Protein Maxing-Produkte isoliertes Eiweiß typischerweise in eine hochverarbeitete Lebensmittelmatrix einbinden.
Eine Querschnittsstudie zu eiweißreichen hochverarbeiteten Lebensmitteln in deutschen Supermärkten und Online-Shops zeigt zudem Unterschiede in der Nährstoffzusammensetzung im Vergleich zu herkömmlichen Produkten. Eiweißreiche hochverarbeitete Lebensmittel wiesen eine geringere Energiedichte sowie geringere Gehalte an Zucker, Gesamtfett und gesättigten Fettsäuren auf, während der Eiweiß- und Ballaststoffgehalt höher war. Allerdings enthielten sie auch mehr Salz und eine höhere Anzahl an MUP, insbesondere Aroma und Süßungsmittel. So enthalten Eiweißshakes und -riegel häufig die MUP Aroma und Süßungsmittel, die beide zu Überessen und Übergewicht führen.
Führt Protein Maxing zu einer Energiezufuhr über den Bedarf hinaus, ist eine Gewichtszunahme in Form von Übergewicht durch eine Zunahme des Fettgewebes möglich. Die im Rahmen von Protein Maxing aufgenommenen Aminosäuren werden keineswegs zwangsläufig in Körpereiweiß umgewandelt, sondern können auch in Körperfett umgewandelt werden.
Was sagt Neatic zu Protein Maxing?
Protein Maxing hat mehr Nachteile als Vorteile. In Kombination mit Krafttraining bestehen geringe Vorteile hinsichtlich der Zunahme der Muskelmasse. Die potenziellen langfristigen negativen Effekte auf die Nierenfunktion, die Lebenserwartung und die Gewichtskontrolle sprechen jedoch deutlich gegen Protein Maxing, zumal die natürliche Eiweißzufuhr in den meisten Industrieländern in der Regel mehr als ausreichend ist. Zudem enthalten verschiedene Protein Maxing-Produkte MUP wie zugesetzte Aromen und Süßungsmittel und sollten daher gemieden werden.
Literaturverzeichnis
Chartres, Nicholas; Fabbri, Alice; Bero, Lisa A. (2016): Association of Industry Sponsorship With Outcomes of Nutrition Studies: A Systematic Review and Meta-analysis. In: JAMA Intern Med 176 (12), S. 1769–1777. DOI: 10.1001/jamainternmed.2016.6721.
Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) CKD Work Group (2024): KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. In: Kidney Int 105 (4S), S117-S314. DOI: 10.1016/j.kint.2023.10.018.
Knopf, Bailey A.; Lamming, Dudley W. (2026): The hallmarks of protein and amino acid restriction in aging and longevity. In: Cell press blue 1 (5). DOI: 10.1016/j.cpblue.2026.100079.
Kohanmoo, Ali; Faghih, Shiva; Akhlaghi, Masoumeh (2020): Effect of short- and long-term protein consumption on appetite and appetite-regulating gastrointestinal hormones, a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. In: Physiol Behav 226, S. 113123. DOI: 10.1016/j.physbeh.2020.113123.
Koop, Jana; Fedde, Svenja; Hägele, Franziska A.; Beunink, Christina; Müller, Manfred J.; Bosy-Westphal, Anja (2024): Nutritional value and environmental aspects of high-protein ultra-processed foods on the German market. In: Public Health Nutr 27 (1), e211. DOI: 10.1017/S1368980024001836.
Morton, Robert W.; Murphy, Kevin T.; McKellar, Sean R.; Schoenfeld, Brad J.; Henselmans, Menno; Helms, Eric et al. (2018): A systematic review, meta-analysis and meta-regression of the effect of protein supplementation on resistance training-induced gains in muscle mass and strength in healthy adults. In: Br J Sports Med 52 (6), S. 376–384. DOI: 10.1136/bjsports-2017-097608.
Nelson, David L.; Cox, Michael M. (2005): Lehninger principles of biochemistry. 4th ed. New York: W. H. Freeman.
Remer, Thomas; Kalotai, Nicole; Amini, Anna M.; Lehmann, Andreas; Schmidt, Annemarie; Bischoff-Ferrari, Heike A. et al. (2023): Protein intake and risk of urolithiasis and kidney diseases: an umbrella review of systematic reviews for the evidence-based guideline of the German Nutrition Society. In: Eur J Nutr 62 (5), S. 1957–1975. DOI: 10.1007/s00394-023-03143-7.